Wie unterbinde ich den Jagdtrieb meines Hundes?

Hund den Jagdtrieb abgewöhnen – Anti-Jagd-Training einfach erklärt

Wenn Dein Hund beim Spaziergang plötzlich anderen Tieren hinterherjagt, kann es zu gefährlichen Situationen kommen. Läuft er dabei über Straßen, könnte er von einem Auto überfahren werden oder im Wald vom Jäger erschossen werden.

Aber auch das gehetzte Tier wird in große Gefahr gebracht und so manches Reh oder Kaninchen wird zu Tode gehetzt, gebissen und verletzt. Um diese Gefahren abzuwenden muss Dein Hund lernen, jederzeit abrufbar und auch stopbar zu sein. Aber kann man überhaupt einem Hund den Jagdtrieb abgewöhnen? 

Schließlich ist es ein natürlicher und angeborener Instinkt vom Hund und bricht dieser Jagdtrieb durch, dann gibt es kein Halten mehr. Der Hund hört nicht mehr auf Kommandos und Zurufe. Dem Hund das Jagen abgewöhnen wird in vielen Fällen nicht funktionieren, aber Du kannst den Jagdtrieb vom Hund umlenken und kontrollieren. Im folgenden Bericht erfährst Du alles, was Du über den Jagdtrieb bei Hunden wissen solltest.

Wir erklären Dir, woran Du den Jagdtrieb schon beim Welpen erkennen kannst und welche Hunderassen einen sehr ausgeprägten Jagdtrieb haben. Du erfährst auch warum und wie ein Hund überhaupt jagt. Außerdem geben wir Dir viele hilfreiche Tipps, wie Du den Jagdtrieb vom Hund kontrollieren kannst.

So kannst Du Deinem Hund das Jagen abgewöhnen

Woran man den Jagdtrieb schon beim Welpen erkennen kann

Der Jagdtrieb entwickelt sich beim Welpen meist schon mit 3 bis 4 Monaten und kann im Alter von ca. 7 Monaten auch schon durch folgende Verhaltensweisen erkannt werden:

  • Der Hund jagt Insekten und Vögel
  • Verfolgung und Heranschleichen im Spiel mit Artgenossen
  • Das Fangen von Mäusen
  • Maulwürfe werden ausgegraben und gefangen
  • Großes Interesse an Joggern und Radfahrern
Diesen Hunderassen ist es schwieriger den Jagdtrieb abzugewöhnen

Hunderassen mit ausgeprägtem Jagdtrieb

Der Hund ist ein Nachfahre vom Wolf und jeder Hund hat den Jagdtrieb von ihm geerbt. Dieser Jagdtrieb ist bei den verschiedenen Hunderassen lediglich unterschiedlich stark ausgeprägt.

Es gibt die sogenannten Jagdgebrauchshunde, die für die Jagd gezüchtet werden und unterschiedliche Aufgaben haben, wie z.B. das Hetzen oder das Fixieren der Beute.

Besonders stark ausgeprägt ist der Jagdtrieb bei folgenden Hunderassen:

  • Basset
  • Beagle
  • Bloodhound
  • Border Collie
  • Cocker Spaniel
  • Dackel
  • Deutsche Bracke
  • Deutsch Kurzhaar/Drahthaar
  • Greyhound
  • Irischer Wolfshund
  • Münsterländer
  • Rhodesian Ridgeback
  • Terrier
  • Weimaraner
Warum jagen Hunde andere Tiere?

Warum & wie jagt der Hund eigentlich?

Es hat nichts mit dem Futterangebot zu tun, wenn der Hund hinter einer vermeintlichen Beute herjagt. Auch ein satter Hund wird seinen Jagdtrieb befriedigen wollen, denn der Jagdtrieb vom Hund gehört zu den starken Urinstinkten, wie z.B. der Sexualtrieb.

Hat der Hund einmal gejagt, wird er es immer wieder versuchen, da bei der Jagd Glückshormone freigesetzt werden und es dadurch zu einer sogenannten Selbstbelohnung kommt. Dieses Glücksgefühl stellt sich beim Hund auch dann ein, wenn er seine Beute nicht erlegen konnte. Alleine schon durch das Hetzen der Beute wird er in diesen Zustand versetzt und weil dieses Gefühl so stark und gut ist, will er es immer wieder erleben.

Die Jagd vom Hund verläuft in der Regel folgendermaßen:

Hunde reagieren auf verschiedene Auslöser und verlassen sich bei der Jagd auf verschiedene Sinnesorgane:

  • Nase = Gerüche
  • Ohren = Geräusche
  • Augen = Bewegungen

Hat der Hund seine Beute aufgespürt, verläuft die Jagd folgendermaßen:

  • Anschleichen und auflauern
  • Hetzen der Beute
  • Angriff und Packen der Beute
  • Tötung der Beute durch Schütteln oder gezielten Biss in die Kehle
  • Fressen der Beute oder für späteres Fressen wird die Beute vergraben
So funktioniert das Antijagdtraining beim Hund

8 Tipps: Wie Du Deinem Hund den Jagdtrieb abgewöhnen kannst

Wenn Du den Jagdtrieb beim Hund abtrainieren möchtest, brauchst Du viel Geduld und musst konsequent sein. Eine starke Bindung zwischen Dir und Deinem Hund ist hier die Grundvoraussetzung.

1. Eine feste Bindung

Wichtig ist, dass Du Deinen Hund beschäftigst und mit ihm spielst. In unserem Extra-Bericht Hunde beschäftigen bekommst Du viele Anregungen.

Um Eure Bindung zu stärken solltest Du nicht nur lust- und wortlos mit ihm Gassi gehen. Vielmehr solltest Du mit Deinem pelzigen Freund zusammen laufen, am Strand zusammen buddeln, zusammen schwimmen, auch mal mit ihm raufen und dabei immer wieder Kommandos von ihm ausführen lassen.

Du solltest Deinem Hund bewusst machen, dass Du der absolute Mittelpunkt in seinem Leben bist. Er muss verinnerlichen, dass er bei Dir Spiel und Spaß, Leckerlis, Streicheleinheiten, Lob und Aufmerksamkeit bekommt. Mit der Zeit wird er bemerken, dass es genauso viel Spaß macht einen Ball, Futterbeutel oder eine Frisbee-Scheibe zu jagen und fangen.

2. Grundgehorsam

Die Grundkommandos und somit einen Grundgehorsam sollte Dein Hund natürlich schon beherrschen. In unserem Extra-Bericht Hund Tricks beibringen erklären wir Dir, wie Du Deinem Hund in einfachen Schritten die Grundkommandos, wie z.B. „SITZ“, „PLATZ“, „BLEIB“, „AUS“, etc. beibringen kannst.

3. Aufmerksamkeitsübungen

Dein Hund mit Jagdtrieb sollte lernen, dass er Dich ansieht wenn Du seinen Namen oder ein Kommandowort sagst. Wenn Ihr diesen Blickkontakt gut eingeübt habt, kannst Du damit seine Aufmerksamkeit auf Dich lenken, wenn er hinter einem Tier herjagen will. Natürlich wird er auch bei dieser Übung bei jedem Erfolg mit einem Leckerli belohnt.

Wenn sich Dein Hund beim Freilauf weiter von Dir entfernt, versteckst Du Dich z.B. hinter einem Baum, Busch, etc. Nach einer Weile rufst Du dann nach Deinem Hund. Hat er Dich gefunden, freust Du Dich und er wird ausgiebig gelobt, gestreichelt und mit einem Leckerli belohnt.

Auf diese Art entsteht eine starke Bindung zwischen Euch, die Du auch daran erkennen kannst, dass sich Dein Hund immer wieder zu Dir umdreht, um zu sehen ob Du noch da bist.

4. Jagdtrieb vom Hund umlenken durch Apportierspiele

Bei Ballspielen solltest Du darauf achten, dass Du den Ball erst dann wirfst, wenn Dein Hund Dich ansieht. Nachdem das klappt, erhöhst Du den Schwierigkeitsgrad und sagst (nach dem er Dich angesehen hat und Du den Ball geworfen hast) die Kommandos „SITZ“ und „BLEIB“. 

Wenn Dein Hund dann artig sitzen bleibt und wartet, kannst Du ihn loben, streicheln und ihm ein Leckerli geben. Dann sagst Du das Kommando „SUCH“ oder „BRING“ und Dein Hund darf den Ball holen und zu Dir bringen. 

Als Belohnung gibt es wieder ein Leckerli und großes Lob. Auf diese Weise lernt Dein Hund Selbstbeherrschung, und dass er Deine Erlaubnis einholen muss wenn er hinter etwas herjagen möchte.

Wenn Du eine Ballschleuder verwendest, bleiben Deine Hände sauber, auch wenn der Ball schmutzig ist. Mit diesem praktischen Gerät kannst Du den Ball sehr weit werfen und dann auch wieder aufnehmen.

Den Jagdtrieb beim Hund abtrainieren klappt auch sehr gut mit dem Apportieren von einem Futterbeutel, in dem seine Lieblingsleckerlis stecken. Sobald Du bemerkst, dass Dein pelziger Freund ein Tier jagen möchte, wirfst Du den Futterbeutel und belohnst ihn dann daraus wenn er ihn apportiert. Wenn er zusätzlich noch gelobt wird und Streicheleinheiten bekommt, wird er lieber dem Futterbeutel hinterherjagen.

5. Mit der Schleppleine dem Hund Jagdtrieb abgewöhnen

Solange es Dir noch nicht gelungen ist den Jagdtrieb vom Hund umzulenken, solltest Du eine lange Schleppleine als Trainingshilfe benutzen. Am besten verwendest Du diese zusammen mit einem Brustgeschirr für Hunde.

Mit einer Schleppleine hat Dein pelziger Freund genügend Freiraum, aber trotzdem hast Du noch die Kontrolle über ihn. Im besten Fall gewöhnt er sich an diesen Bewegungsradius und hält ständig Kontakt mit Dir.

Die Schleppleine wird folgendermaßen eingesetzt:

Jedes Mal wenn sich Dein Hund so weit von Dir entfernt hat, dass die Schleppleine bald auf Spannung ist, suchst Du seine Aufmerksamkeit indem Du seinen Namen oder ein entsprechendes Kommandowort rufst. Sucht Dein Hund jetzt den Blickkontakt mit Dir und hält an, bevor die Schleppleine stramm gezogen ist, lobst Du ihn und gibst ihm ein Leckerli.

Kannst Du so seine Aufmerksamkeit nicht erreichen, nimmst Du schnelle Richtungswechsel vor. Das heißt: Immer wenn er Dich aus den Augen lässt, änderst Du die Richtung. Bald wird er begreifen, dass er in Kontakt mit Dir bleiben muss und Dich nicht aus den Augen lassen darf.

6. Superleckerli gegen Jagdtrieb beim Hund

Viele Hundebesitzer schwören auf das Superleckerli, um den Hund vom Jagdtrieb abzulenken. Dabei wird eine Hundepfeife benutzt und ein ganz besonders beliebtes Leckerli, wie z.B. ein Wiener Würstchen.

Du solltest zuerst in Deiner Wohnung mit der Hundepfeife üben. Wenn er wegen dem Lieblingsleckerli sofort zu Dir kommt, übt Ihr im Garten oder auf einem ruhigen Parkplatz. Wenn Ihr dort erfolgreich trainiert habt, könnt Ihr es auf einem Feld, im Park oder im Wald probieren.

Die Hundepfeife und das damit verbundene Superleckerli sollten aber nur selten eingesetzt werden, damit es für Deinen Hund etwas ganz Besonderes und eine wirklich erstrebenswerte Belohnung bleibt. Wenn Dein Hund dann vom Jagdfieber gepackt wird, hilft ein Pfiff aus der Hundepfeife, um ihn davon abzuhalten. Er wird zu Dir kommen, um seine Lieblingsleckerli, z.B. diese leckeren Hühnchenstreifen zu holen.

In unserem Extra-Bericht Hundefutter selber machen findest Du auch viele Leckerli-Rezepte.

7. Hund Jagdtrieb abgewöhnen mit professioneller Hilfe

Wenn Du als unerfahrener Hundebesitzer das erste Mal einen Hund mit Jagdtrieb besitzt und damit überfordert bist, kann eine professionelle Hilfe erforderlich werden. Hundeschulen oder erfahrene Hundetrainer haben Erfahrung wie man den Jagdtrieb bei Hunden abtrainieren kann. In Deiner Nähe gibt es bestimmt auch einen Hundesportverein, an den Du Dich wenden könntest.

8. Im Notfall hilft ein Ortungsgerät

Das Training war noch nicht so erfolgreich und der Jagdtrieb beim Hund war stärker? Damit Du Deinen jagenden Freund sofort orten und wiederfinden kannst, solltest Du über die Anschaffung eines GPS-Trackers nachdenken.

Der GPS-Tracker ist bruchsicher und wasserfest. Er hat eine unbegrenzte Reichweite und passt an alle gängigen Halsbänder und Brustgeschirre. 

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