Kastration Rüde – was Du wissen musst, bevor Du Deinen Hund kastrierst

Die Frage, ob ein Rüde kastriert werden sollte oder nicht, kann nicht so einfach beantwortet werden.

Es gibt Vorteile aber auch Nachteile und deshalb sollte dieser Schritt gut überlegt sein.
 
Du willst Deinen Rüden kastrieren lassen, weil Dich sein männliches Verhalten stört?

Dann solltest Du bedenken, dass durch eine Kastration nur sein hormonbedingtes Verhalten verändert wird.

Seine Verhaltensweisen werden nämlich außer dem Geschlechtshormon Testosteron noch durch seinen Instinkt und vor allem durch seine Erziehung gesteuert.

Es könnte also sein, dass die Kastration Deines Hundes nicht die von Dir gewünschte Verhaltensänderung hervorruft!
 
Viele Hundebesitzer befürchten, dass sich der männliche Charakter, die Persönlichkeit des Rüden nach seiner Kastration verändert.

Das ist aber nicht zu befürchten, denn er wird sich auch weiterhin wie ein Rüde aufführen.

Seine Instinkte bleiben vorhanden, auch wenn sein Sexualtrieb aufgehoben wurde.

Bevor Du Deinen pelzigen Freund chirurgisch kastrieren lässt, indem ihm beide Hoden unwiederbringlich entfernt werden oder seine Samenleiter durchtrennt werden, solltest Du über Alternativen nachdenken.

Du könntest es zuerst mit einer vorübergehenden medikamentösen Kastration versuchen, um zu sehen, ob sich sein Verhalten ändert.
 
Der Tierarzt wird hierbei ein kleines medikamentöses Implantat unter die Haut setzen, meist in den Nacken.

Dieses Implantat löst sich nach einiger Zeit von selbst auf und kann dann wieder erneuert werden.

Verbessert sich sein Verhalten durch diese Medikamente nicht, wird auch die chirurgische Kastration keine Wirkung zeigen!

In diesem Fall solltest Du mit Deinem Tierarzt besprechen, ob Du einen erfahrenen Hundetrainer oder einen Verhaltensberater zu Rate ziehen solltest.

Das unerwünschte Verhalten Deines Rüden liegt dann nämlich nicht an den Hormonen.
 
Wir haben nachstehend alle wichtigen Fragen, rund um das Thema Kastration vom Rüden, für Dich beantwortet.
 
Außerdem geben wir Dir hilfreiche Ratschläge und Tipps, was Du VOR und NACH einer Kastration beachten solltest.

Die häufigsten Gründe für eine Kastration beim Rüden

Es gibt die verschiedensten Gründe, die einen Hundebesitzer dazu veranlassen können, über eine Kastration beim Rüden nachzudenken.

Übersteigertes Sexualverhalten beim Rüden

Wenn der Rüde sich ständig paaren möchte, kann das schon sehr unangenehm für den Hundebesitzer werden.

Denn der Rüde ist nicht wählerisch und so paart er sich mit einem heruntergefallenen Kissen genauso gerne wie mit den Beinen von Dir oder anderen Anwesenden.

Er will sich mit jedem anderen Hund paaren und macht zur Not auch vor Tisch- und Stuhlbeinen keinen Halt.

Der Rüde fängt häufig auch an herumzustreunen, um evtl. eine läufige Hündin zu finden. In der Stadt, mit viel Straßenverkehr, kann das durchaus gefährlich werden.

Rüde markiert in der Wohnung

Dass der Rüde in der Wohnung markiert, ist auch ein häufiger Grund für seine Kastration.

Hierbei sollte aber überprüft werden, ob vielleicht auch Blasenprobleme dafür verantwortlich sind.

Auch über eine mangelhafte Erziehung vom Rüden sollte nachgedacht werden.

Du besprichst dieses Problem am besten vor einer Kastration mit dem Tierarzt.

Aggressionsverhalten beim Rüden

Wenn der Rüde gegenüber anderen Rüden aggressiv reagiert, hilft in den wenigsten Fällen eine Kastration.

Meist liegt es daran, dass der Hund gestresst ist.

Trotzdem ist das aggressive Verhalten des Rüden einer der häufigsten Gründe für eine Kastration.

Hier könnte ein erfahrener Hundetrainer dabei helfen, diese Aggressionen zu verhindern.

Krankheitsbedingte Kastration beim Rüden

Im Alter von 2 Monaten sollten beim Welpen beide Hoden in den Hodensack abgestiegen sein.

Ist das nicht der Fall, spricht man von einem „kryptorchiden“ Rüden.

Hier wird der Tierarzt eine chirurgische Kastration vorschlagen, da es zu Hodenkrebs kommen kann.

Wenn der Rüde älter wird, können Prostata-Probleme auftreten, die mit einer Kastration behoben werden können.

Hier solltest Du es vorher mit geeigneten Tierarzneimitteln versuchen, bevor Du einen chirurgischen Eingriff vornehmen lässt.

Auch bei chronischen Entzündungen der Vorhaut kann eine Kastration für Abhilfe und somit Linderung sorgen.

Kastration Rüde – welche Möglichkeiten gibt es?

Wie Rüde kastrieren?

Welche Kastrationsart die beste für Deinen Rüden ist, kannst nur Du entscheiden.

Du kannst zwischen einer lebenslangen chirurgischen Kastration, Sterilisation oder einer zeitlich begrenzten medikamentösen Kastration wählen.

Chirurgische Kastration beim Rüden

Bei der operativen Kastration vom Rüden werden unter Vollnarkose, durch einen kleinen Schnitt am Hodensack, beide Hoden entfernt.

Das hat zur Folge, dass kein Sexualhormon mehr hergestellt wird.

Der Hund verliert das Interesse an Sexualität und ist nicht mehr fortpflanzungsfähig.
 
Dieser Eingriff dauert nur ca. eine ½ Stunde.

Gegen evtl. danach auftretende Schmerzen verschreibt der Tierarzt geeignete Schmerzmittel für den Hund.

Nach 10 Tagen werden dann die Fäden gezogen, es sei denn der Tierarzt verwendet einen selbst auflösenden Faden zum Nähen.

Sterilisation vom Rüden

Bei einer Sterilisation vom Rüden, auch Vasektomie genannt, werden beide Samenleiter durchtrennt.

Die Operation wird ebenfalls unter Vollnarkose durchgeführt.

Hierzu ist nur ein kleiner ca. 2 cm langer Schnitt nötig.

Jeder Samenleiter wird 2 x abgebunden und dazwischen dann mit einem Schnitt durchtrennt.
 
Sein Sexualtrieb wird dadurch nicht beeinträchtigt. 

Der Rüde kann sich lediglich nicht mehr fortpflanzen.

Medikamentöse Kastration vom Rüden - Tablette, Spritze oder Chip

Eine medikamentöse Kastration kann in Tabletten- oder Spritzenform verabreicht werden.

Diese Möglichkeit hat den Nachteil, dass sie ca. alle 4 bis 6 Wochen wiederholt werden muss.
 
Die Kastration per Hormon-Chip wird beim Rüden ohne Betäubung vorgenommen.

Der Chip ist so klein, dass er mit einer Spritze im Nacken unter die Haut implantiert wird.

Es gibt Chips mit verschieden langer Wirkungsdauer, z.B. für ½ Jahr oder für 1 Jahr.
 
Das enthaltene Hormon unterdrückt die Testosteronbildung und sorgt dafür, dass Dein Hund für entweder 6 oder 12 Monate keinen sexuellen Trieb mehr verspürt und auch für diese Zeit zeugungsunfähig wird.

Nach dieser Zeit baut sich dieser Chip von selbst wieder ab und der Sexualtrieb vom Rüden und seine Zeugungsfähigkeit werden wieder hergestellt.

Die medikamentöse Kastration ist eine sehr gute Möglichkeit, um vorab zu testen, wie der Hund auf eine evtl. dauerhafte Kastration reagiert.

Außerdem entfallen die Risikofaktoren einer Operation, die immer auftreten können.

Es spricht nichts gegen eine dauerhafte Kastration per Hormon-Chip. 

Rüden kastrieren

Kastration Rüde – Wann setzt die Wirkung ein?

Bei der medikamentösen Kastration kommt es für ein paar Tage zu einem verstärkten Sexualverhalten beim Hund.

Nach ca. 2 bis 3 Wochen verkleinern sich dann seine Hoden um ca. die Hälfte und der Rüde verliert nun immer mehr das Interesse an Sexualität.

Die Verkleinerung der Hoden ist nur vorübergehend, also nur solange, wie der Hormon-Chip wirkt.

Danach wachsen sie wieder bis zu ihrer normalen Größe.

Die Fortpflanzungsfähigkeit bleibt nach der medikamentösen Kastration noch für ca. 2 Monate bestehen.

Du solltest Deinen Hundi also noch mindestens 2 Monate lang von läufigen Hündinnen trennen.

Der chirurgisch kastrierte Rüde ist schon nach ca. 3 Wochen nicht mehr zeugungsfähig.

Das Verhalten vom Rüden kann sich nach der medikamentösen und auch nach der chirurgischen Kastration verbessern.

Bei vielen Rüden verbessert sich das Sexualverhalten, der Hund wird ruhiger und auch der Drang zum Markieren lässt nach.
 
Diese Verbesserung im Verhalten kann bei den meisten Hunden nach ein paar Wochen wahrgenommen werden.

Bei einigen Hunden kann es aber auch ein paar Monate dauern.

Wenn das Fehlverhalten allerdings nicht hormonbedingt ist, wird sich nichts ändern.

Auch ein aggressiver Hund wird durch eine Kastration sehr selten zahmer.

Vor- und Nachteile einer Kastration

Bei weitem nicht alle Probleme, die Du mit Deinem Hund hast, können durch eine Kastration gelöst werden.

Trotzdem kann eine Kastration in einigen Fällen auch sinnvoll sein.

Vorteile:

  • Der Rüde ist dauerhaft oder auf Zeit, je nach Kastrationsart, nicht mehr zeugungsfähig.
  • Dadurch, dass der Sexualtrieb wegfällt, ist der Hund ruhiger und gelassener.
  • Läufige Hündinnen sind nach der Kastration uninteressant.
  • Aufspringen und Urin-Markierungen lassen nach.
    Unruhe und auch der Drang zum Herumstreunen vergehen nach der Kastration.

Nachteile:

  • Meistens nehmen die Rüden nach einer Kastration an Gewicht zu, weil sie jetzt mehr Appetit haben und weniger Lust auf Bewegung.
    Doch Du kannst hier mit vielen Spaziergängen gegensteuern.
  • Bei einigen Hunden verändert sich das Fell durch vermehrte Produktion von Unterwolle. Sie werden etwas flauschiger.
    Das wird besonders oft bei Langhaardackeln und Cockerspaniels beobachtet.
  • Die Wunde kann sich nach einer chirurgischen Kastration durch ständiges Belecken entzünden.
    Es kann zu Nachblutungen im Hodensack und zu einer schlechten Wundheilung kommen.
Rüden chirurgisch kastrieren

Was Du vor und nach der chirurgischen Kastration beachten solltest

Damit Dein Hund die Operation gut übersteht, solltest Du folgende Hinweise beachten.

Vor der operativen Kastration

  • Nimm Dir Urlaub am Tag der Kastration.
  • Wenn Dein Hund schwer ist und Du ihn nicht alleine tragen kannst, dann bitte einen lieben Menschen um Hilfe.
  • Dein Hund muss nüchtern sein. Er darf 12 Stunden vor dem Eingriff nichts fressen.
  • Bereite die Wohnung schon auf die Rückkehr nach der OP vor.
    Dein Hund braucht dann einen ruhigen Platz, wo er sich ausruhen kann. Räume alle Dinge fort, an denen er sich verletzen könnte, wenn er nach der Narkose noch taumelig ist.
  • Bereite auch Dein Auto auf die Rückfahrt vor.
    Lege seinen Liegeplatz oder seine Transportbox mit saugfähigem Material aus, für den Fall, dass Deine Fellnase unter der Narkose uriniert oder sich erbricht.
  • Kurz vor der OP solltest Du noch einmal Gassi mit ihm gehen.

Nach der operativen Kastration

  • Nimm Dir auch am Tag nach der OP Urlaub.
  • Vermeide bei einer Autofahrt holprige Straßen und fahre langsam.
  • Wenn Du Deinen Hundi wieder nach Hause gebracht hast und er aus der Narkose erwacht ist, dann hat er bestimmt Hunger.
    Gib ihm aber nur kleine Portionen zum Fressen und erst dann, wenn er wieder ganz wach ist, sonst könnte er sich verschlucken.
    Wasser sollte er dagegen immer trinken können.
  • Halte ihn am besten den ganzen Tag nach der OP unter Beobachtung.
  • Kontrolliere die Operationsnaht häufig und alarmiere den Tierarzt, wenn Du eine Entzündung feststellst.
  • Eine Halskrause kann ihn davon abhalten, an der Wunde zu lecken oder zu knabbern.
  • Auf lange Spaziergänge und Herumtollen solltest Du verzichten.
  • Halte Deinen Hund immer an der Leine, damit er nicht zu schnell läuft.
    Die Wunde könnte sonst aufplatzen.
  • Bis die Wunde verheilt ist, sollte er auch keinen Kontakt zu anderen Hunden haben.
  • Gehe spätestens nach 10 Tagen mit ihm zur Nachkontrolle zum Tierarzt.

Wann ist der beste Zeitpunkt für die Kastration vom Rüden?

Grundsätzlich könntest Du Deinen Rüden zu jeder Zeit kastrieren lassen.
 
Allerdings ist es besser, wenn der Hund nicht zu jung und nicht zu alt ist.

Denn bei älteren Hunden kommt es häufiger zu Komplikationen bei und nach der Operation.

Wenn der Hund vor seinem 1. Geburtstag kastriert wird, kann es dazu führen, dass er danach ein aggressives Verhalten gegenüber anderen Hunden entwickelt.

Der Rüde sollte schon ausgewachsen sein, damit seine körperliche Entwicklung nicht durch eine Kastration gestört wird.

Wieviel kostet die Kastration vom Rüden?

Du solltest bei verschiedenen Tierärzten nachfragen, wie viel dort jeweils eine Kastration kostet.

So hast Du einen besseren Überblick, denn jeder Arzt berechnet anders.
 
Die reinen Operationskosten für eine Kastration beim Rüden liegen zwischen ca. 50 bis 150 Euro.

Der Preis hängt auch vom individuellen Körperbau des Rüden ab.

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